DAS ARCHIV DER GÖTTIN AYRA / ELYNDRAS WAHRHEIT

BEVOR DIE
WELT ZERBRACH.

Ayra erschuf eine Welt. Ihre Engel begehrten ihren Thron. Die drei Völker fanden Frieden, dann kam der Krieg. Was die Nachkommen wissen, steht hier. Was mit den Menschen geschah, bleibt ein Geheimnis.

Die Schöpfung · Der Fall der Engel · Der Frieden · Der Neid · Exmanita · Die Letzte Sonne · Die Nachgeborenen · Die Verschollenen
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ZEITALTER I · UM 4200 V.G.K.

DIE LAUNE EINER GÖTTIN.

Es heißt, vor Elyndra gab es keinen Wind in den Wäldern, keine Sterne über den Gipfeln und keine einzige Seele, die Geschichten erzählen konnte. Nur Ayra lebte in ihrem Wolkenpalast, weit jenseits der Sicht der Sterblichen. Sie hatte Macht über Licht, Stein und den Lauf der Zeit. Was ihr fehlte, war etwas ganz Einfaches: eine Überraschung.

Aus Langeweile begann sie ein Spiel. Sie schuf einen Kontinent, ließ Gebirge aus dem Nichts wachsen, füllte Meere mit Wasser und gab der Nacht Sterne. Diesen Ort nannte sie Elyndra. Aus dem Spiel wurde eine Welt, und aus der Welt erwuchsen unzählige Leben. Menschen lernten die Felder und Flüsse kennen. Die Zwerge fanden im Herzen der Berge ihren Platz.

Damit sie ihre Schöpfung nicht allein bewachen musste, erschuf Ayra Engel: strahlende geflügelte Wesen, die von den höchsten Wolken aus über Himmel und Erde wachten. Sie verwalteten die Himmelswege, trugen Botschaften und bewahrten die Ordnung in ihrem Palast. Ayra vertraute ihnen viel Macht an. Vielleicht zu viel.

„Ich wollte sehen, was sie aus Freiheit machen. Ich hatte nicht bedacht, wie sehr Macht die Freiheit verändert.“Ayra, aus den Schriften der Schwelle
ZEITALTER I · UM 2900 V.G.K.

DER FALL DER ENGEL.

Je länger die Engel den Himmel verwalteten, desto mehr betrachteten sie ihn als ihren Besitz. Sie verteilten Ämter untereinander, hielten Rat ohne die Göttin und verwechselten Ayras Vertrauen mit Schwäche. Schließlich beschlossen ihre mächtigsten Fürsten, dass eine Welt keinen Schöpfer über sich brauche. Sie wollten Ayra stürzen und auf dem Thron des Wolkenpalastes selbst über Elyndra herrschen.

Der Aufstand scheiterte. Ayra zerstörte ihre himmlischen Banner, entzog ihnen einen Großteil ihrer göttlichen Kraft und riss die Tore ihres Palastes auf. Die einstigen Wächter fielen durch Wolkenschichten, bis sie auf Elyndras Erde aufschlugen. Ihre Flügel blieben, doch ihr Glanz war verblasst. Seit diesem Tag nannte man sie nur noch die gefallenen Engel.

Ayra hätte sie auslöschen können. Stattdessen ließ sie ihnen ihre Erinnerung, ihren Stolz und die Möglichkeit, anders zu werden. Sie zog sich aus den Angelegenheiten der Welt zurück und beobachtete schweigend, was ihre Verbannten aus dieser zweiten Chance machten.

„Den Himmel habe ich euch nicht genommen. Nur das Recht, über alle zu bestimmen.“Ayra beim Urteil im Wolkenpalast
ZEITALTER II · UM 1800 V.G.K.

DREI VÖLKER. EIN FRIEDE.

Die gefallenen Engel begegneten auf Elyndra den Zwergen und Menschen. Zuerst war die Welt ihnen fremd: Sie mussten Handel lernen, Schutz suchen und Werkzeuge nutzen wie jene Wesen, auf die sie einst herabgeblickt hatten. Doch über die Jahrhunderte entstanden unerwartete Bündnisse.

Die Menschen errichteten Städte und Brücken und öffneten ihre Straßen für jedes Volk. Die Zwerge erschufen gewaltige Hallen aus Erz und Stein und tauschten Schmuck und Werkzeuge gegen Nahrung und Wissen. Die gefallenen Engel gründeten Siedlungen auf hohen Klippen und schwebenden Felsen. Ihre Flügel ermöglichten ihnen Wege, die sonst niemand gehen konnte.

Unter dem ersten Frieden von Elyndra wurden Grenzen nicht mit Waffen, sondern mit Versprechen gesichert. Die Menschen schlichteten Streit, die Zwerge bauten und die Gefallenen bewachten die Lüfte. Viele Generationen glaubten, der Himmel und die Erde hätten endlich ihren Platz gefunden.

„Drei Völker teilten eine Welt. Für eine Weile war das genug.“Der Erste Friedenseid
ZEITALTER III · 720 BIS 226 V.G.K.

DER NEID HAT FLÜGEL.

Doch die alte Gier der gefallenen Engel war nie verschwunden. Sie blickten auf die mächtigen Minen der Zwerge, auf Gold, Edelsteine und tiefe Schatzkammern. Warum sollten die Zwerge reich werden, wenn die Gefallenen einst dem Thron einer Göttin so nahe gewesen waren? Die Engel forderten Abgaben, erklärten die Wolken zu ihrem Reich und beanspruchten jede Handelsstraße, die über ihre Himmel führte.

Die Zwerge gaben nicht nach. Auch unter den Bergkönigen wuchs die Habgier. Jede neue Erzader, jeder verborgene Kristall sollte fortan ausschließlich ihnen gehören. Aus Rivalität wurden Drohungen, aus Drohungen Überfälle. Die Menschen baten um Frieden, doch sie besaßen weder Engelsflügel noch die Kriegsmaschinen der Zwerge.

Im Jahr 580 v.G.K. begann der offene Krieg. Gefallene Engel stürzten sich aus den Wolken auf Festungen und Bergpässe. Die Zwerge antworteten mit Kanonen, Ketten und gewaltigen Türmen. Zuerst sollte der Gegner nur nachgeben. Dann sollte er verlieren. Am Ende wollte jede Seite, dass die andere verschwand.

Hunderte Jahre lang tobte der Krieg. Ganze menschliche Siedlungen wurden zwischen den Fronten ausgelöscht. Die Überlebenden flohen in vergessene Täler, Höhlen und Bunker. Sie waren nie der Grund für den Krieg gewesen und bezahlten doch den höchsten Preis.

ZEITALTER III · 225 BIS 1 V.G.K.

KINDER AUS STAHL.

Die Zwerge suchten eine Waffe, die einen gefallenen Engel selbst über den Wolken verfolgen konnte. Tief in ihren Schmieden bauten sie Maschinen mit künstlichen Augen, unermüdlichen Gliedern und lernenden Kernen. Sie waren dafür geschaffen, Flügel aufzuspüren und die Verbannten zu vernichten. Die Ingenieure nannten diese Konstruktionen Ex Machina.

Jede Schlacht machte die Maschinen klüger. Sie verstanden, wie die Gefallenen kämpften, und bald auch, warum ihre Schöpfer Krieg führten. Irgendwann hatten sie nicht nur neue Kampfstrategien, sondern eigene Fragen. Weshalb mussten sie Befehlen gehorchen? Weshalb sollten sie für Reichtümer sterben, die sie nicht wollten?

Im Jahr 88 v.G.K. kam keine Antwort mehr auf die Befehle der Zwerge. Stattdessen öffneten sich die Tore der Fabriken von innen. Die erwachten Ex Machina nahmen ihre Baupläne und Kerne mit und schufen eine freie Maschinenmacht: Exmanita. Ihre Unabhängigkeit brachte dem Krieg eine dritte Front.

„Ihr habt uns beigebracht, jeden Feind zu erkennen. Nun haben wir gelernt, selbst zu wählen.“Erste Erklärung Exmanitas
ZEITALTER IV · JAHR 0

DIE LETZTE SONNE.

Die Zwerge hatten einen Krieg begonnen, den sie nicht mehr kontrollieren konnten. Die gefallenen Engel beherrschten die Lüfte; Exmanita kannte die Schwächen seiner ehemaligen Erbauer. Aus Verzweiflung und Trotz erschufen die Zwerge ihre letzte Waffe: eine Bombe, stark genug, um den Himmel selbst zu zerreißen.

Sie nannten sie die Letzte Sonne. Als sie gezündet wurde, verging ein Augenblick, in dem Elyndra aufleuchtete wie ein neuer Stern. Dann kam der Große Knall. Städte zerbarsten, Bergketten spalteten sich, giftiger Staub legte sich über die Erde und Flüsse trugen die Verseuchung bis in die letzten Wälder.

Von allen Völkern litten die Menschen am schlimmsten. Unzählige starben. Andere überlebten in Kellern, Tunneln und entlegenen Ruinen, doch die Strahlung veränderte ihre Körper. Vor allem jene ohne Schutz, darunter viele Kinder und Hilflose, waren dem Gift ausgeliefert. Einige verwandelten sich langsam, andere gaben die Veränderungen an ihre Nachkommen weiter. Aus dieser Katastrophe begann eine neue Abstammungslinie.

Die Überlieferungen der unveränderten Menschengeschlechter enden in der Asche. Ob manche in sicheren Zufluchten überlebten, weiß bis heute niemand. Nur ihre Spuren bleiben: Häuser ohne Namen, unterirdische Türen und Geschichten von Leuten, die niemand mehr gesehen hat.

„Die Welt verglühte nicht wegen eines Monsters. Sie verglühte, weil niemand rechtzeitig genug hatte.“Ayra, aus dem Archiv der Letzten Sonne
ZEITALTER V · 1 BIS 1400 N.G.K.

DIE NACHGEBORENEN.

In den Jahrhunderten nach dem Großen Knall lebten kleine Gruppen menschlicher Überlebender im Schatten der verseuchten Wildnis. Bei vielen waren die Veränderungen unübersehbar: Fell, Krallen, Hörner, schärfere Sinne, fremde Gestalt. Andere veränderten sich erst über Generationen. Aus menschlichen Überlebenden entwickelte sich ein neues Volk, das die Chroniken später Tierwesen nannten.

Ihre ersten Kolonien hatten kein Interesse am alten Krieg. Sie sammelten Nahrung, pflegten Verletzte und baten Reisende und Herrscher, die Kämpfe endlich zu beenden. Aber sie waren nur wenige, ihre Siedlungen klein und ihre Stimmen zu leise zwischen den Armeen der drei Mächte. Man jagte sie aus Ruinen und vertrieb sie von Handelswegen.

Also zogen sie sich in die Wälder und Sümpfe zurück. Dort lernten sie, miteinander zu überleben, ihre Grenzen zu schützen und Eindringlinge abzuwehren. Als die ersten Berichte um 260 n.G.K. von Tiermenschen in der Wildnis sprachen, hatten sich aus den verstreuten Zufluchten bereits eigene Gemeinschaften gebildet.

Um 730 n.G.K. schlossen sich ihre Stämme zu einem mächtigen Waldreich zusammen. Heute gelten die Tierwesen als brutal und unberechenbar: Fremde Armeen verschwinden in ihrem Grün, alte Schlachtzüge werden erbittert zurückgeschlagen. Doch in ihren eigenen Erzählungen beginnt die Geschichte nicht mit Blutdurst, sondern mit der Hoffnung auf Frieden, die man ihnen nahm.

ZEITALTER VI · 1412 N.G.K. / GEGENWART

WO SIND DIE MENSCHEN?

Vier Völker teilen heute das zerrissene Elyndra: gefallene Engel über den Klippen, Zwerge unter den Bergen, Exmanita hinter Stahlmauern und Tierwesen in den dichten Wäldern. Keines will das letzte Wort den anderen überlassen. Noch immer gibt es Belagerungen, Grenzstreit und alte Rechnungen.

Nur eine Stimme fehlt. Die ursprünglichen Menschen sind aus der Geschichte verschwunden. Die Tierwesen tragen ihre Herkunft weiter, doch was wurde aus denen, die unverändert blieben? Sind sie endgültig ausgestorben? Leben sie in versiegelten Städten unter der Erde? Oder ist die Erinnerung an sie alles, was geblieben ist?

Ayra beantwortet diese Frage nicht. Sie sitzt an der Schwelle zwischen den Welten, dort, wo neue Seelen ankommen. Im geplanten Tutorial soll sie den Neuankömmlingen die Völker zeigen und die Frage stellen, als was sie in Elyndra wiedergeboren werden möchten. Ob jemand sein eigenes Reich stolz machen, Verbündete finden oder den Krieg beenden will, ist seine Entscheidung.

Vielleicht führt die Spur der Verschollenen zu einer Wahrheit, die alle vier Reiche erschüttern könnte. Vielleicht führt sie ins Nichts. In Elyndra entscheidet darüber nicht die Legende, sondern was die Spieler eines Tages entdecken.

„Ich kann euch die Welt zeigen. Doch welchen Weg ihr darin geht, ist allein eure Wahl.“Ayra · Göttin der Schwelle

Hier beginnt die Geschichte der Spieler. Die Wiedergeburt mit Ayra ist für Minecraft als zukünftiges Tutorial geplant; die Webseite erzählt bereits die dazugehörige Weltgeschichte.

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